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Reisebericht zu Andalusien→Granada→Vorstadt Alfacar

Frühstück kaufen im Dorfladen von Alfacar

Dorfbrunnen Alfacar

Der Einkauf im Dorfladen ist nicht nur politisch korrekt und hilft den kleinen Leuten dort, wo man wohnt. Er birgt vor allem Erlebnisse der besonderen Art, bei denen man Land und Leute ganz unmittelbar kennen lernt.

Das Wetter sieht freundlicher aus als die Prognose befürchten ließ. Der Himmel ist zwar grau bedeckt, aber es regnet nicht. Zunächst gilt es, ein Frühstück zu besorgen. Ganz gegen unsere sonstige Gewohnheit kaufe ich wieder mal in einem örtlichen Dorfladen ein, statt zunächst die Erstausstattung in einem großen Supermarkt zu besorgen. Auch wenn es dort sicher unpersönlicher ist, muss man dort nicht sprechen, sondern nur zellophanverpackte Ware beäugen, was das Leben erleichtern kann.

Der Dorfladen von Alfacar

Andererseits komme ich mir aber ökologisch korrekt und ortsverbunden vor, als ich die paar Meter zum Dorfladen gehe, der sich ja immerhin auch Supermercado nennt. Direkt neben dem Eingang befindet sich die Kasse, wo mir zunächst drei Matronen in aufgeregter Diskussion des Dorftratsches den Zugang zu den zwei langen und eng gestellten Gängen erschweren, in denen das Angebot lagert. Ich schiebe mich mit gemurmelten "Perdon" vorbei, sie nehmen mich aber nicht zur Kenntnis. Ausländerfeindlich ist man hier jedenfalls nicht.

Milch, Zucker und eine Marmelade sind schnell lokalisiert. Butter und Eier dagegen lagern in und um einer Kühlung, die hinter der Wurst- und Käsetheke steht, so dass ich nicht sicher bin, ob dort Publikumsverkehr erwünscht ist. Die dunkelhaarige Dorfschönheit hinter der Wurst strahlt mich aber schon aus großen Augen an. Jamon und Queso habe ich ja noch auf der Platte, Salami ist international, den Rest kleide ich mit Italienisch und Gesten aus. Die junge Dame ist jedenfalls ganz zufrieden mit mir und wir verstehen uns prächtig. 6 Scheiben vom vorzüglichen Kochschinken, der hier auch Serrano heißt, 10 Scheiben Salami, ein Kanten Hartkäse, nein, nicht ganz so viel und etwas vom vermutlich langweiligen Gouda-ähnlichem zur Sicherheit. Falls der Hartkäse doch aus Ziegenmilch ist, muss Lore nicht ganz käsefrei leben und als Reibkäseersatz zum Kochen kann man ihn immer brauchen. Ein paar Eier, nein die ganze Lage ist zu viel, mir reichen erst einmal zehn, selbst wenn die ganze Palette günstiger wäre. Vermutlich habe ich das Wort für Butter doch nicht ganz richtig ausgesprochen, jedenfalls gibt es Margarine, aber wie verlangt ohne Salz. Vielleicht hat sie auch nur mein Bäuchlein gesehen und wollte nur mein Bestes. In Augenhöhe lagern noch zu Werbezwecken griechische Joghurts, anscheinend gerade der neue Beglückungsversuch von Nestlé-Danone für Spanien. Lore und mich können sie damit jedenfalls durchaus beglücken.

Mit stolz geschwellter Brust schreite ich zur Kasse. Dort hält der Besitzer jeden Artikel vor seine PC-Kasse, um dann den angezeigten Preis auf einem Zettel zu notieren und die Summe am Ende per Hand auszurechnen. Die erklärenden Sätze interpretiere ich als "Kasse abgestürzt", lächle mitfühlend betreffs der Scheiß-Technik und schleppe meine Beute zum Holzofen-Bäcker.

Holzofen-Bäckerei: Alfacars Vorzeigehandwerk bietet uns ein Traumfrühstück

Ich befürchte schon, dort sei geschlossen, weil durch die mit Milchglas abgesetzte Scheibe niemand zu sehen ist. Ich lasse mich aber von meinem Erfolgskurs nicht abbringen und drücke mutig die Klinke. Unsere Bäckerei Bücherl hat vor zwanzig Jahren so ausgesehen, bevor auch dort die Stehtische und das moderne Straßengeschäft Einzug gehalten haben.

Ein Tresen teilt den Raum in der Mitte, links der Kasse eine kleine Vitrine mit Blätterteig und anderem Süßzeug, die Vitrinen rechts eher leer. Der offene Durchgang hinter der Kasse öffnet den Blick in die auch eher leere Backstube, daneben ein Regal mit Brotkörben mit Stangenbroten und Weißbroten, die sich hauptsächlich durch die Größe, weniger durch das grundsätzliche Aussehen unterscheiden. Jetzt schlurft auch die Bäckerin herbei und ich entscheide mich für zwei Weißbrote aus der Abteilung mittelgroß. Auch sie tut so, als wäre ein radebrechender, fingerzeigender Ausländer nichts besonderes, nimmt unbeeindruckt meine 1,26 € (abgezählt, ich verstehe nämlich Zahlen) und wünscht mir noch einen schönen Tag.

Das Ergebnis meiner Bemühungen besteht in einem hervorragenden und ausgedehnten, ersten Frühstück. Es ist zwar etwas nervig, die eigens mitgebrachten Filterpapiere in ein Teesieb zu tüten und den Kaffee dann Tasse für Tasse herzustellen, schmeckt aber. Eine gute Brotzeit zum Mitnehmen für den Nachmittag ist auch noch drin. Schließlich müssen wir baldmöglichst anfangen, uns an die hiesigen Modalitäten zum Abendessen anzupassen. Eine Zwischenmahlzeit ist also nötig, wenn man es bis 20.00 mindestens aushalten muss.

Mit Abspülen, Rucksackpacken inklusive der für diesen Urlaub erneut anstehenden Grundsatzüberlegung, was der Tourist in der großen Stadt so alles mit sich führen muss, Auswahl des Reiseführers etc. vergeht noch etwas Zeit, aber wir schaffen es tatsächlich, den Bus um 12.10 zu erwischen. Für unsere Verhältnisse ein annehmbarer Schnitt, für spanische und überhaupt südländische Verhältnisse das Problem, gerade noch ein bis zwei Stunden bis zum Eintritt der Siesta mit der damit verbundenen Totenstille zur Verfügung zu haben. Als lebenslanger Nachtmensch und Verweigerer frühen Aufstehens mag ich mich auch im Urlaub nicht verbiegen.

Wenn Sie dem Verlauf dieser Reise folgen möchten

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Und hier der Gesamtüberblick dieser Reise mit allen Berichten


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Zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2014

Mit ausdr├╝cklichem Dank an Apachefriends und alle Open-Source-Entwickler, deren Arbeit solche Projekte erst erm├Âglicht
sowie an Lore f├╝r Begleitung und Ertragen programmierungstechnisch bedingter Abwesenheiten

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