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Reisebericht zu Andalusien→Costa de la Luz→Conil Cabo Roche

Die Kulturstadt Malaga im Zentrum einer endlosen Perlenkette von Bettenburgen an der Costa del Sol, Andalusiens Mittelmeerküste

Schöne Stadtstrände am Hafen der andalusischen Kulturmetropole

Wir haben die Costa del Sol jedes Mal auf der Durchreise besucht, weil uns trotz der schönen Strände Bettenburgen und Ballermann-Flair nicht so liegen. Malaga war aber jeweils unser Zielflughafen. Diese Küstenmetropole wird angesichts ihrer hoch angesehenen Schwestern wie Granada, Cordoba und Sevilla gerne hintan gestellt, ist aber deutlich mehr wert als schlichter Fluchtpunkt vom Flughafen auf die Ringautobahnen.

In Malaga befindet sich die andalusische Basis des Billigfliegers Ryanair, der bisher stets unsere interne Ausschreibung nach dem billigsten und daher auch komfortfreien Ticket gewonnen hat. Eigentlich ungewollt sind wir so auch in den Genuss einer viel zu kurzen Stadtbesichtigung gekommen. Die Hafenstadt bietet nämlich ein breites Spektrum an Attraktionen und ist durchaus eine mehrtägige Besichtigung wert.

Malaga: Fast mondänes Flanieren in der Altstadt, schöne Stadtstrände und bemerkenswertes kulturelles Leben

Wer Malaga von außen oder von oben sieht, ist durchaus geneigt, der Meinung vieler Reiseführer beizupflichten, diese Metropole an der Costa del Sol nicht gerade den kulturellen Highlights in Andalusien zuzuordnen. Tatsächlich bietet das enge Korsett aus Industrieanlagen, Gewerbegebieten und betonierten Wohnanlagen kein besonders einladendes Bild. Sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie auch mit dem eigenen Auto ist es aber hier nicht sehr schwer, zum Hafen vorzudringen, und dort zeigen sich ganz andere Ansichten.

Hier wird unübersehbar mit Hochdruck daran gearbeitet, nach dem Vorbild anderer Küstenmetropolen eine modern gestaltete Waterfront als Erlebniszentrum anzulegen. Malaga ist nicht Hamburg oder Barcelona und kann auch Sydneys Darling Harbour nicht kopieren. Hier einfach eine Stunde auszuspannen und nur dem Treiben zuzusehen ist aber jetzt schon spannend und ein kleiner Rundgang durch die entstehenden Anlagen macht deutlich, dass hier auch in Zukunft noch einiges zu Erwarten ist.

Bereits jetzt ein besonderes Erlebnis ist ein gemütlicher Bummel durch die Altstadt, in der sich breite Prachtboulevards mit verschlungenen Gassen abwechseln, je nachdem, wo man sich gerade hintreiben lässt. In Cordobas Innenstadt besticht der ruhige Flair, in Granada das studentische Umfeld und in Sevilla die zentrale Calle Sierpes. In Malaga hat man alles auf engstem Raum zusammen, Shopping, sehen und gesehen werden, Cafékultur ist in keiner andalusischen Stadt so bequem und entspannt wie hier.

Andererseits können sich Kathedrale, Alcazaba und die kleinen Kirchen natürlich nicht mit ihren Schwestern messen. Das macht aber nichts, soweit man diese ohnehin noch besichtigen möchte oder kann. Dann kann man sich getrost einfach im großen, allgemeinen Spaziergang treiben lassen. In einer anderen kultureller Hinsicht liegt Malaga dafür weit vorn: Mit dem Picasso-Museum und dem Zentrum für moderne Kunst sind hier europaweit besondere Ausstellungen angesiedelt, neben dem renommierten Filmfest werden immer mehr bedeutende Events installiert.

Dem Städtereisenden wird es hier ganz sicher nicht langweilig, nachdem er auch noch über schöne und gut erreichbare Stadtstrände verfügen kann. Wohnmöglichkeiten gibt es genügend, auch wenn man in der Nähe der Altstadt oder der Strände sicher schöner wohnt wie außerhalb. Angesichts guter Verkehrsverbindungen ist Malaga aber genauso durch mehrere Ausflüge von den benachbarten Küstenorten aus zu erreichen. Dasselbe gilt für die Flughafenhotels im Rahmen der jweiligen An- und Abreise.

Badevergnügen pur mit Temperaturgarantie und bester Infrastruktur an der Costa del Sol

Wer einfach nur einen Strandurlaub einlegen möchte, günstig und ohne große eigene Planungen, ist an der andalusischen Mittelmeerküste Costa del Sol zwischen Estepona, Marbella und Torremolinos wohl gut bedient. Alle Reiseveranstalter haben dieses Gebiet dauerhaft im Programm, dementsprechend tobt der Preiskampf. Mit schon geringem Recherche-Aufwand im Internet lassen sich hier immer Schnäppchen finden, wenn man die Ansprüche an eine "schöne" Wohnumgebung nicht zu hoch schraubt.

Die Infrastruktur ist gut. Die ehemalige Küstenautobahn verbindet die Ortschaften und Wohnkomplexe, die sich wie eine Perlenkette aneinanderreihen und an ihrer Seite sind überall Einkauszentren, örtliche Geschäfte, Arztpraxen etc. aus dem Boden geschossen. Nicht umsonst erleben neben Gran Canaria und Mallorca gerade hier viele deutsche Senioren in den Apartmentanlagen oder auf Campingplätzen entweder die Winterzeit oder ihren gesamten Ruhestand. Das Verkehrsaufkommen ist dementsprechend und zu manchen Zeiten kann sich der genervte Autofahrer auch in den Berufsverkehr seiner Heimatstadt zurückversetzt fühlen. Wer es eilig hat, ist daher besser beraten, die mautpflichtige, neue Autobahn im Hinterland zu benutzen.

Die Costa del Sol ist aber keineswegs nur eine Ansammlung von Bettenburgen für Billigheimer, nicht umsonst sonnt sich Marbella bis heute in der Gnade des internationalen Jet-Sets. Der ist zwar mittlerweile eher in den vielen kleinen, fast privaten Häfen entlang der Küste zu finden. In diesen versteckten Buchten lassen sich aber durchaus auch anspruchsvolle Quartiere finden, wenn man sie bezahlen kann oder mag. Besonders beliebt sind natürlich neben Segelurlauben die vielen Golfplätze, im Volksmund wird die Mittelmeerküste angeblich mit "Costa del Golf" tituliert. Bei diesen Anlagen muss allerdings jeder selbst wissen, ob er diesen ökologischen Wahnsinn mit seinem Gewissen vereinbaren kann.

Nachteil: Die meisten andalusischen Ausflugsziele sind weit entfernt

Ich selbst bevorzuge Reiseziele, die mir die Verbindung eines gelegentlichen Strandaufenthalts mit dem Erleben von Naturwundern und kultureller Besonderheiten erlauben. Andalusien hat von Beidem mehr als genug zu bieten, allerdings nicht unbedingt von der Costa del Sol als Standquartier aus.

Gibraltar und Malaga sind natürlich einfach und auch schnell zu erreichen. Speziell an Schlechtwettertagen hat die Küstenmetropole dem kulturell interessierten Besucher tatsächlich viel zu bieten. Im unmittelbaren Hinterland locken Casares, Mijas und Torox mit dem Parque Natural Sierra de las Nieves zu Ausflügen, die mit eigemen Fahrzeug sicher einfacher zu gestalten sind. Der Pflichtbesuch nach Ronda über die an sich schon sehenswerte Carretera ist dagegen mit dem Ausflugsbus wohl einfacher, weil er dem Stress der Parkplatzsuche in dem ständig überfüllten Ort enthebt.

Die großen Sensationen andalusischer Kultur gerade vor dem Hintergrund ihrer maurischen Ursprünge lassen sich aber von der Costa del Sol aus nicht vernünftig erkunden. Granadas Alhambra wäre in einem Gewaltausflug vielleicht noch zu erreichen, wenn man den dortigen Parkplatz direkt ansteuert und auf eine Stadtbesichtigung verzichtet. Die Renaissance-Städte Baeza und Ubeda auch noch, soweit man die Natur der Sierra de Cazorla außer Acht läßt. Eine Mezquita in Cordoba, Sevillas Altstadtviertel oder Cadiz werden ohne eigene Übernachtung aber kaum noch zu erreichen sein.

Einfach nur Ausspannen, Baden oder dem Winter auskommen lässt es sich an der Costa del Sol sicher bequem und evtl. auch günstig. Wer es schöner haben will, sucht sich besser einen Platz in Conil an der Atlantikküste bei vielleicht rauerem Klima, aber authentischer Umgebung, die dennoch bereits genügend Deutsche entdeckt haben, falls die Sorge sprachlicher Einsamkeit besteht.

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Zuletzt aktualisiert am 27. Mai 2014

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